"War das nicht die Pferdefrau vom Immenhof." "Und war das nicht auch die Bienen-Brigitte?" "Und diese Protest-Ikone mit dem Rollator? Die mit: KEINE SCHIENEN BEI DEN BIENEN! KEINE SCHIENEN AUF IMMENHOF! Die, die ein Jahr lang mit einer Spielzeugeisenbahn auf der Mütze durch die Gegend geeiert ist?" "Imkerin? Die lebt doch vegan." "Na, die ist ja auch ein bisschen krank." "Das war die doch schon immer." "Ich glaube, die ist jetzt Selbsthilfefotografin." "Sag ich doch, die ist krank." "Also, ich finde das gut, was die macht. Die macht immer alles mit Herzblut. Egal, was die Leute von ihr denken. Und die tut doch auch niemandem weh. Und die macht das alles auch ehrenamtlich." "Sag ich doch - die ist krank." "Ja, aber die sieht doch gar nicht krank aus. Die kann doch gar nicht sooo krank sein. Die benutzt ja nicht mal mehr einen Rollator." "Meinst du, die simuliert?" "Schon mal darüber nachgedacht, warum die zur Selbsthilfefotografin geworden ist?" "Öh."

 

 

Wer hat an der Uhr gedreht?

Lüften wir den Schleier und blicken eine Seite lang zurück. 

 

Das hier ist nicht die junge Sophia Loren, sondern die Monika mit einem Bild von 2014. Sie ist seit meinem damaligen Übergang von der "Pferde- zur Fotoflüsterin" als Probemodel dabei.

 

Heute ist Monika so sehr von der Emofotologie überzeugt, dass sie auch zu den ersten Sponsorinnen für unsere nachhaltige Wanderausstellung 2019 gehört.

 

Danke für all das und noch mehr, liebe Monika.

Zurück in die Steinzeit?

Keine Sorge, ich gehe jetzt nicht zurück bis in die Steinzeit oder gar bis zu Eva und der Boa(h) ey. Bloß bis zum ersten Skandal-Schmerzshooting.

 

Links im Bilde sind übrigens in Teilen zu sehen: Boa Baby sowie Deutschlands berühmteste und bezauberndste sowie einfühlsamste Tiertrainerin Katja Elsässer. 

 

 

Ja, auch ich habe tatsächlich eine Vergangenheit 
 
Bevor meine Krankheit mich beruflich aus dem Sattel geholt hat, gab es für mich nur: Pferde-Pferde-Pferde.
 
Als Reitausbilderin FN und VFD und Pferdeverhaltenstherapeutin ATM (neudeutsch Pferdeflüsterin) war ich - mit Leib und Seele: Die Pferdefrau vom Immenhof.
 
Bis zum berühmten letzten Ritt auf der Rasierklinge.

Nach jahrzehntelangem Schmerzkranksein (also nach gefühlten Jahrhunderten bis zur Diagnose) und der selbst gewählten Gefangenschaft in einem Geflecht aus Verantwortung, Pflichtgefühl, Tierliebe und Nur-mal-kurz-die-Welt-retten, landete ich buchstäblich auf dem Bauch. Endzeitlich verschmerzt und völlig aus dem Gleichgewicht, vermochte ich nur noch auf den Brustwarzen zu kriechen. Wie eine niedliche, fette Raupe.

Shit happens und Existenzängste auch. Raupi entpuppte sich als Zerschmetterling. Ich blieb arbeitsunfähig und wurde frühverrentet. Hinter meinem mit Plasteblümlein und Hupe geschmückten Rollator, erntete ich irritierte Blicke und vegetierte mit dem üblen Gefühl unnütz zu sein.


Zu Beginn der Frührente habe ich mich beinahe zu Tode geschämt. Umgebracht habe ich mich nur darum nicht, weil ich meine Tiere weder zurück lassen noch gleichfalls töten wollte.

 

Als ich meinen aufgemotzen Rollator endlich in der Ecke stehen lassen konnte, ersteigerte ich mir einen todschicken Gehstock. Der mich – aller Coolness zum Trotze - leider nicht davon abhalten konnte, hier und da wieder auf die Nase zu fallen. Eines Tages klatschte ich auf einem belebten Bürgersteig übel hin. Klarer Fall von dumm gelaufen. Diverse Leute um mich herum meinten nämlich nur: „Früher Vormittag und schon besoffen.“

Niemand half mir auf. Auch das hat mich bis heute geprägt. Es ist ja toll, dass ich nicht so krank aussehe, aber mit zwei sichtbaren Gipsbeinen hätte ich vermutlich weniger Probleme. Doch was solls? Mein Gleichgewicht ist nicht vollkommen wieder da, aber heute weiß ich zumindest was noch geht und was und wer nicht. Doch: OHNE MÜH, KEIN HÜ.
 
In den letzten Jahren habe ich angestrengt trainiert und nicht nur meine Ernährung geändert. Von daher komme ich heute - auf unturbulenten Kurzstrecken - ohne Stock aus. Die chronischen Schmerzen usw. lassen sich leider nicht wegtrainieren oder wegessen, jedoch etwas ausblenden. Sowie ich den Focus voll und ganz auf andere/s richte. Apropos: Eine Zeitlang vor meinem Totalzusammenbruch hatte mir meine Mutter eine kleine digitale Kompaktkamera geschenkt. Bis dato hatte ich nie einen Fotoapparat in der Hand gehalten und mich nie für Fotografie interessiert. 


Zuerst war ich also gar not so amused, aber ausprobieren hatte ich das Knipsding - der Höflichkeit halber - ja mal müssen. Und siehe da: Es machte Spaß. Zeit für so ein Hobby blieb zwar seinerzeit nicht, doch machte ich an und ab Fotos für unsere immenhöfliche Internetseite. Das wars. Bis mich eine Stallpraktikantin reiferen Alters fragte, ob ich zarterotische Fotos von ihr machen würde. „Für meinen Mann zum Geburtstag.“ Sie würde sich - weil von barocker Figur - nicht in ein normales Fotostudio trauen. 

 
Die Freude, die ich mit der Erfüllung jener Bitte ausgelöst habe, vergesse ich nie. Damals begann ich zu begreifen, was die Fotomache machen kann.

Kurze Zeit wurde mir zugetragen, wie ein hiesiges Fotostudio es abgelehnt hatte, einen gehandicapten jungen Mann zu fotografieren. Ich war geschockt und angeschubst zugleich. 
 

Auf meinem weiteren Überlebensweg begegneten mir immer wieder Menschen, die mich baten Bilder zu machen, die in einem „normalen“ Fotostudio angeblich nicht zu machen gewesen wären. Jene Menschen trauten mir mehr zu, als ich mir selbst.
Dieses mich über meine eigenen Grenzen bringen zu müssen – ich wollte „meine Models“ ja nicht enttäuschen – half mir mich weiter zu entwickeln. 
 

Es folgten Fototage im Curanum Uelzen, ein Foto-Workshop für Jugendliche - organisiert vom Mehrgenerationenhaus Ebstorf, private Fotonachmittage mit Brustkrebspatientinnen, Protestfotoaktionen für KEINE SCHIENEN AUF IMMENHOF! Sowie Tier- und Naturschutzfotoprojekte für Bienen, Bäume, Hühner sowie für Hundicaphunde. Auch wurden Fotoideen von Printmedien sowie für Plakate und Schaufensterwerbung angefragt.

 

Meine erste Outdoor-Bilderausstellung - Meine Freundin, die Bäumin - durfte ich 2017 eröffnen - mit eigenem Poetry-Slam und Rap.


Bis dahin war mir – was die Fotomache betrifft - alles einfach so passiert. Heute weiß ich: Ich möchte mit meinen FOTOS UND UMZU etwas bewirken können.

 

Sensibilisieren, motivieren, irritieren, protestieren, aufklären, (uns) erklären, Mut und Lachen machen ...


Es würde mir nie in den Unsinn kommen - nur so - mein schnödes Mittags(guck)mahl zu fotografieren, um es - in der Hoffnung auf  Likes - bei Facebook posten zu können. Was vielleicht auch meinen Kochkünsten geschuldet ist. Sollte ich jedoch eines Tages ein projektbezogenes Mahl inszenieren „müssen“, werde ich das fotodokumentieren. Ob ich den Augenschmaus dann auch esse?


Wobei: Hoch kommt es mir ja eher, wenn ich Vorurteile höre, wie:
„Die macht auch immer noch so viel, wäre die sooo krank ...“
„Blablablablabla ... Und würdest Du so viel denken wie reden, dann wärste auch nicht sooo doof.“

Heute habe ich eine gute Fotostube / Kleiderkammer mit vielen Accessoires ...

Ende Februar 2018: Schnuppertag in der guten Fotostube und siehe da: Der Kostümfundus wächst von Monat zu Monat.

Doch braucht es gar nicht immer so viel!

Weniger (an) ist manchmal mehr. Hauptsache das "Model" fühlt sich wohl.

Am allerliebsten fotografiere ich draußen

Und es immer gut, mal einen Blick über den eigenen Gartenzaun zu riskieren.

Aber egal, was noch passiert ...

... unvergessen bleibt auch mein allererstes Skandalshooting

 

Das Schmerzshooting auf dem Melzinger Opferstein. Thema: Menstruation. Ich werde die ganze Geschichte bei Gelegenheit erzählen. Eine Story, die sich um rosa Slipeinlagen und einen Kleinstadtskandal rankt. Etwas damit zu tun, hat auch mein Slipeinlagensong. Den ich neu vertonen lassen möchte. Der Text findet sich auf meiner Songtextseite. Kannst du singen oder rappen und vielleicht auch noch Gitarre spielen? Dann wärst du u.U. meine Frau. Also - für den Song.

 

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