Emotionale Foto-und-so-Aktion zum Thema:

KEINE SCHIENEN AUF IMMENHOF!

Was dieses Thema betrifft: Ich hatte 2014/15 emotional-kreativ versucht, diesem Protest ein Gesicht zu geben. Die weitaus härtere Arbeit haben unsere Mitstreiter*innen im Dialogforum geleistet!

 

Meine Mütze hatte es dennoch oft auf die Titelseiten verschiedener Zeitungen geschafft. Auch bin ich beinahe verhaftet worden und musste einige Male liegenderweise - als Krankenhausfreigängerin - zu Demonstrationen gefahren werden.

 

Fachlich fundiertere Texte - insbesondere zum jetzigen Stand der Dinge - finden sich auf der Homepage der besten Interessengruppe  ever, ever, ever ...

 

(Ja, es gibt viele Dörfer, die ähnlich betroffen sind bzw. waren.)

Ich kriege ja öfter was auf die Mütze. Von Sommer 2014 bis Ende 2015 war es (m)eine Eisenbahn. Danke, liebe Monika Leske, für das tolle Handyfoto. (Monika ist übrigens auch auf dem Bannerbild zu sehen.)

Meine erste Ansprache zum Thema:

 

(Im Rahmen der großen Treckerdemonstration und Infoveranstaltung in Uelzen!)

 

Ich stehe hier: weil ich nicht möchte, dass unser Immenhof - mein Geburtsort, mein Lebensort … der Ort meines Beruf und meiner Berufungen und zugleich Wohnsitz meiner erweiterten Familie - durch Schienen zerschnitten wird!

 

… weil ich nicht möchte, dass meine Eltern erneut erleben müssen, dass ihnen ein Zuhause zerstört wird!

 

… weil ich den ähnlich Betroffenen aus anderen Dörfern zur Seite stehen möchte! Die leider nicht hier und heute zuhauf auflaufen können, weil (- wie könnte es anders sein ? -) die Informationsveranstaltung während der normalen Arbeitszeit stattfindet.

 

… weil ich unseren hervorragenden Interessenvertretern, die im Dialogforum für uns sprechen, zeigen möchte, dass ich hinter ihnen stehe!

 

Wer ist ich?

 

Ich heiße Brigitte Schulz und lebe auf dem Immenhof. Bisher war mein Leben ein Ponyhof.

 

Meine Großeltern, Eltern und deren Geschwister haben nach dem Krieg, nach einer furchtbaren Flucht, als Vertriebene ohne Geld, Vieh und Inventar - jedoch mit viel Fleiß - uns Kindern, Enkeln und Urenkelkindern … ein wunderbares Zuhause aufgebaut. Ich bin dort geboren, immer noch da zuhause - und habe da sowohl mein berufliches Lebenswerk schaffen dürfen, als auch meinen Berufungen nachgehen können.

 

Wer möchte nun künftigen Immenhofer Ponykindern erklären, dass u.U. bald alle nur noch auf dem Reitplatz oder in der Halle reiten dürfen - weil es kein sicheres Ausreitgelände mehr geben wird? Dafür Schotter und Schienen so weit das Auge reicht. Wie soll der Reitstall dann existieren? Der Stall, der nun schon von der 3. Generation bewirtschaftet wird.

 

Wie u.U., erklären sich unsere Hunde und die Therapiehunde, die zum Gesundheitstraining auf den Immenhof kommen, dass ohne Leine kein Spaziergang mehr möglich sein wird? Weil die Züge für Tiere nicht anhalten.

 

Wie erklären sich die Immenhofer Pensions-Pferde, dass u.U. die Immenhofer Weiden nicht mehr erreichbar sein werden? So auf der anderen Seite der Schienen.

Ein Pensionsstall ist ohne Weiden in jeder Hinsicht riskant eingeschränkt.

 

Wer erklärt meinen Eltern, dass sie u.U. wieder erleben, dass ihr Zuhause zerstört wird?

 

Wer erklärt meinem dementen Onkel, dass er nicht mehr die alten Feldwege beschreiten darf? Sollten wir ihn vorsichtshalber auch an die Leine nehmen?

 

Die DB zieht mit dem Lineal auf der Landkarte einen Strich durch mein Leben, mein Zuhause, mein Lebenswerk und meine Familie. Die DB plant unsere beruflichen und privaten Existenzen zu zerstören und zugleich - nur so nebenbei bemerkt - historischen Boden, mit z.B. Hügelgräbern und Opferstein an idyllischen Wanderwegen, in herrlichster Natur, zu zerschneiden.

 

Es gibt nichts, was mich für die Zerstückelung meines Zuhauses entschädigen könnte. Und wo bleibt unsere Zukunft mit dem neuen Immenhof-Bienen-Projekt? Wo bleiben unsere sozialen Projekte für behinderte Menschen und Tierschutztiere, die die Ruhe und Idylle brauchen? Was bleibt für die jüngeren Immenhofer? Für die, die gerade die nächste Familie hier gründen? Für die ganze/n Generation/en nach uns, die auch ihre berufliche und private Zukunft auf dem Immenhof geplant hat?

 

Was bleibt überhaupt vom Image des Immenhofes übrig, wenn darüber Züge rollen? Dann ist mein Leben kein Ponyhof mehr. Darum werde ich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen.

Wir alle wollten nicht, ...

... dass das Licht am Ende des Tunnels vom entgegen kommenden Zug ist!

Heute sage ich: "DANKE!"

 

Ja, auch ich hatte anfangs geargwöhnt, das Dialogforum könne sich als Alibiveranstaltung erweisen, die uns übers Jahr auseinander dividieren sollte. Auch ich habe mich gefragt, ob die Moderatoren im Rahmen gewisser Vorgaben gefangen sein könnten, wenn nicht sogar parteiisch. Vielleicht war es auch tatsächlich so. Am Anfang.

 

Doch so oder so - wir wollten jede noch so kleine Chance nutzen. Und - von Monat zu Monat bin ich stolzer geworden, auf unsere Interessenvertreter, wie auf alle unsere aktiven Mitstreiter ... Wer vielleicht geglaubt hatte, da kämen ein paar dumme Bäuerlein oder gar Wutbürger um die Ecke, der wurde eines Besseren belehrt. Es traten u.a. hochintelligente Agrarfachleute und Umweltexperten aus unseren Reihen auf den Plan, mit der ganz großartigen Bereitschaft eine Lösung finden zu wollen. Das Güterwachstum war ja auch durchaus allen bewusst. Und so arbeiteten sich unsere Interessenvertreter ein, in eine Materie, die den meisten von uns bis dato völlig fremd gewesen war. Seehafenhinterlandverkehr, Lärmverschmutzung, Lärmvermeidung, Routenpläne, Knotenpunkte, Arbeiten unter dem rollenden Rad … all das wurde nicht nur gängiges Vokabular, nein, es wurde auch verstanden. Etliche unserer Interessenvertreter sind im Laufe der Zeit beinahe zu Bahnexperten geworden. Und alle haben uns mehr als ein Jahr ihres Lebens geschenkt, waren ständig unterwegs, hatten keine Zeit mehr für ihre Familien, haben sich die Wochenenden und die Nächte um die Ohren geschlagen … wie zum Beispiel Friedrich-Karl Bodin und Tobias Schütte vom Aktionsbündnis für die Ostheide. Oder auch Eckehard Niemann vom Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen e.V. (LBU).

 

Im Dialogforum (94 Teilnehmer) standen plötzlich 10 Trassenvarianten zur Diskussion. Daraus den bestmöglichen Kompromiss zu erarbeiten schien zeitweilig nahezu unmöglich. So die Skeptiker.

 

Währenddessen wurden rundherum einige riesige sowie unzählige kleinere Veranstaltungen auf die Beine gestellt.

 

Der großen wie friedlichen Demonstration im September 2014 mit weit über 1.000 Teilnehmern und über 120 Treckern folgten 2015 u.a. unzählige Informationsveranstaltungen in vielen Orten, Gaststätten, Stadthallen, in Fußgängerzonen, auf Marktplätzen … es wurde zum White Dinner nach Ramelsloh (5.000 Teilnehmer) geladen, ebenso wie zum Trassenfrühstück nach Wriedel, es wurde das Trassenradeln nach Betzendorf veranstaltet, das (stimm)gewaltige Open Air mit Live Bands in Feuerschützenbostel … und, und, und …

 

Es wurden informative Facebookgruppen gegründet, entsprechende Homepages erstellt, Flyer und Plakate gedruckt und u.a. T-Shirts, Westen, Taschen, Flaggen, Buttons und Mützen und Banner bedruckt. Die rot-schwarz-weißen hölzernen Protestkreuze, die dank zahlreicher Helfer, wie über Nacht groß aus dem Boden wuchsen und überall die angeplanten Trassenverläufe markierten, halfen beim erkennen der Problematiken.

 

Einen Streckenverlauf auf einer Landkarte zu sehen, erweist sich zumeist als wenig aufschlussreich. Doch mitten in der Natur zu sehen, wo Landschaften und Orte und Existenzen zerstört werden könnten, das dringt ins Bewusstsein und geht ans Herz. Überhaupt ist das Protestkreuz zu einem Symbol geworden, das viele geeint hat. Tausende Autos rollen mit dem Protestkreuzaufkleber auf der Heckscheibe durch unseren Landkreis, Trecker sind genauso damit bestückt wie Kinderwagen. Überhaupt habe alle Altersklassen mitgekämpft, für den Erhalt unserer Landschaft, unserer Zuhause … Ich habe mit Grundschulklassen gesprochen, die 1 a informiert waren. Mein 80jähriger Vater hat ebenso voller Überzeugung mitprotestiert – leibhaftig und auch mit schriftlichen Eingaben.

 

„Was sagst Du Deinen Kindern später, wenn sie Dich fragen, was Du unternommen hattest?“ Dieser Satz war eine ganz große Antriebsfeder.

 

Und darum ist es gelungen, dass aus 10 Trassenvarianten die eine heraus gearbeitet  und mit 90 %iger Mehrheit angenommen werden konnte.

 

Das ist beispiellos und vorbildhaft. Gelebte Demokratie. 

 

Auch Melzingen zeigte wo es nicht lang geht!

Die Interessengruppen hatten an alle/s gedacht. Die betroffenen Orte konnten sich auch Protest-Plakate mit Ortsnamen ausdrucken.

Das (!) Symbol für den Erhalt unserer Landschaften und Wirkungsstätten.

 

Tausende, derart gestaltete bzw. bemalte  Holzkreuze waren in den betroffenen Gebieten aufgebaut worden.

 

Eine gelungene Visualierung, die die Zerschneidung unserer Heimat deutlich machte.

Die Presse im Einsatz beim Trassenfrühstück in Wriedel.

Hier stehe ich glücklich vor der Klinik ...

... die ich für diverse Protestaktionen immer mal wieder verlassen hatte. 

Endlich hatte ich meine Protestmütze umdekorieren dürfen, in (m)eine Ponyhofmütze. Vielen Dank, liebe Norma D., dass ich dieses aussagekräftige Foto verwenden darf.
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