Es gibt nicht viele Möglichkeiten, sich auf eine gestalterische und positive Art mit (s)einer Krankheit auseinandersetzen zu dürfen.

 

Zwar bin auch eine, die scheinbar immer lacht, doch hatte ich hier den Uelzener Fotografen und meinen früheren Co-Fotografen, Bernd Meyer, bewusst darum gebeten, mich ohne meine gesellschaftsfähige Maske abzulichten.

 

Auch das nächste Bild hat er - auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin - gemacht. Ich glaube aber, es hat den guten Mann ein bisschen erschreckt, als ich ihn so angeschrien habe.

 

 

Bildreihen aus dem Mai 2018

Das Schutzschichten-Bannerbild hat die wunderbare wie auch so freie Andrea Künstle mit mir gemacht, genauso wie alle nachfolgenden Aufnahmen auf dieser Seite.

 

 

Ja, auch ich bin chronisch schmerzkrank.

Autsch!

Logisch, dass ich mich für mein Herzensprojekt auch selbst vor die Kamera gestellt, gehockt, gesetzt ... habe:

 

Ihr alle kennt ja das Märchen von der Prinzessin auf der Erbse. Jenes Märchen (?) in dem besagtes Mädel eine klitzekleine grüne Gemüseperle durch einen turmhohen Matratzenstapel hindurch erfühlte. Weil das Mädel so unglaublich (?) empfindsam war.

 

Ja, es ist gut, dass Märchenprinzen Samthandschuhe tragen. Doch die Moral von der Geschicht ist eine ganz andere:

 

Jene Erbsenprinzessin litt an einer unsichtbaren Schmerzkrankheit - namens Fibromyalgie - die somit keine Erkrankung der Neuzeit ist. Wusstet Ihr, dass es heutzutage viele Erbsenprinzessinnen gibt? Allein in Deutschland ungefähr 2 Millionen. Vermutlich kennt Ihr also welche und vermutlich versteht Ihr diese Schmerzbräute nicht wirklich.

Ja, Erbsenprinzen gibt es auch. Allerdings ist das %-Verhältnis in etwa eines von 80 zu 20. Also ungefähr so wie im echten Märchenprinzessinnen-Märchenprinzen-Leben. Ist mir egal? Weil ich ja eh immer die Scheiß-auf-den-Prinzen-Komma-ich-nehme-das-Pferd-Trulla war?

Doch Sch(m)erz beiseite: Warum ich das alles mit so viel Herzblut schreibe? Nun mein Nachname deutet nicht drauf hin und blaues Herzblut habe ich auch nicht, doch ich bin so eine Erbsenprinzessin. Seit über vier Jahrzehnten bin ich chronisch schmerzkrank.

Shit happens.

Zwischenzeitlich war ich sogar auf Rollstuhl und Rollator (leider ohne Allrad, was eher semipraktisch ist, bei mir auf dem gar nicht so platten Land) angewiesen. Jahrelang ging es danach nicht ohne Krückstock. In der emofotologischen Kleiderkammer findet sich von daher eine kuriose Sammlung von Gehstöcken. 

Ja, wenn schon krank, dann mit Sti(e)l.

Doch was viel schlimmer ist, als die ständigen starken bis unerträglichen Schmerzen, die Begleitsymptome und zahllosen Einschränkungen, die Grobmotorik, die Kontrenzationsverstörungen … das ist das allgemeine Unverständnis:

„Ja, aber - Du bist doch immer so fröhlich.“ „Ja und? Galgenhumor ist meine effektivste Medizin.“ „Ja, aber - Du siehst doch gar nicht so krank aus?“ „Wenn Schmerz bunt wäre, wäre ich Ampelmädchen oder Lichtorgel geworden.“ „Ja, aber Du bist immer so aktiv.“ „Die Alternative wäre heulend in der Ecke liegen (was ich zuhause, alleine, durchaus auch tue) oder mich umzubringen.“

Lange, sehr lange, zu lange (?) wollte ich mich nicht mehr mit meinem Schmerz beschäftigen. Warum, das ist eine andere Geschichte. So von wegen Medikamentenallergie, Ärzteallergie … Doch so oder so, habe ich mich mittlerweile zur Schmerzpertin entwickelt. Und auch darum habe ich dieses Selbsthilfefotoprojekt gestartet.

Für Schmerzis und Co-Schmerzis und mit Schmerzis … für mehr Lebensqualität durch Verständnis. In den letzten Monaten habe ich intensive Gespräche mit diversen "Schmerzmodels" geführt, die alle denselben Wunsch haben: „Ich möchte zeigen, wie ich mich fühle. Ich möchte wenigstens ein bisschen verstanden werden. Ich möchte erklären können, wie ich ticke (tickende Zeitbombe oder die Lebensuhr tickt?).“

So, genug getickt, äh, getippt. Denn auch das strengt so eine Erbsenprinzessin wie mich an. Manchmal schaffe ich es kaum, die Tasten zu drücken, geschweige denn in die Tasten zu hauen.

 

Manchmal fühle ich mich wie unter Wasser

Ich hatte als Kind oft Albträume vom Ertrinken

(M)Ein (Über)Leben war ein Ponyhof

Die so freie Fotografin Andrea Künstle wird hier von Gunilla in Augenschein gekommen.

Für mein Herzensprojekt habe ich mich ja auch selber vor die Kamera gestellt, gesetzt, gehockt … Zuerst vor die Kamera dieser wunderbaren, fantastischen ... Fotografin. Der einzigen Fotografin, die für mich damals dafür in Frage gekommen ist. Der ich 100%ig vertraue. Weil ich weiß, dass sie auch bis ins Innere sehen kann. Dass sie Emotionen – und Seele – sichtbar machen kann.

Die beste Fotografin ever. Sie hat mich einen kurzweiligen Tag lang fotografiert. Gesehen haben wir uns im echten Leben bisher noch keine 3 Tage. Begegnet waren wir uns über Fotos auf Facebook. Doch sie (er)kennt mich besser, als die meisten Menschen, die seit Jahrzehnten zu meinen "ach, so sozialen Kontakten" gehören.

Therapeutische Fotografie, Fototherapie oder was?

Es tat mir gut, dass Andrea mich auf meinen Fotos nicht bloß als schwache Frau dargestellt hatte.

 

Weil - wir chronisch Schmerzkranken sind nicht schwach. Wir sind sogar stärker als viele Gesunde. Wir meistern unseren Alltag obwohl wir krank sind.

 

Das ist stark und das musste mal gesagt sein.

Eins hab ich noch:

Morgens um 6.00 Uhr in Deutschland.

Meine Tante von gegenüber ist beinahe aus dem Küchenfenster gefallen, als sie mich so hat in den Ponystall stöckeln sehen.

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© brigitte-schulz-immenhof.de Emofotologie