Das blaue Bild
Der Tisch ist das zentrale Element der Komposition. Er definiert den Raum und wird zum Symbol von zuhause, Alltag und vermeintlicher Sicherheit. Er markiert den Ort der Beziehung und des gemeinsamen Daseins – und wird hier zugleich zum stillen Zeugen von Spannung und Gewalt.
Im Zentrum liegt ein zerbrochener Teller, der dem Platz der Frau zugeordnet ist. Dieser Bereich ist leicht erhellt und lenkt subtil den Blick der Betrachtenden. Aus dem Teller fließt ein intensiver Orangeton – eine Farbe, die mit der Energie der Bewegung One Billion Rising verbunden ist und den Widerstand gegen Gewalt an Frauen symbolisiert. Doch während die Farbe nach unten fließt und hinter der Tischkante verschwindet, verändert sie sich:
Was zunächst wie Orange im Schatten wirkt, nimmt zunehmend einen blutroten Ton an. Diese Farbverwandlung verweist auf Verletzung und reale Gewalt und betont den Gegensatz zwischen symbolischer Stärke und tatsächlichem Leid. Neben dem Teller liegt eine kleine Karte mit der Aufschrift „deserved“ (verdient), gestaltet wie ein Restaurant-Schild mit der Aufschrift „reserved“ (reserviert). Ihre vertraute, fast harmlose Form steht im starken Kontrast zu ihrer Botschaft: Sie hat es verdient. Der Grund bleibt unklar – ob durch ihr Verhalten, ihre Worte oder allein durch ihre Existenz – und verstärkt so den Mechanismus des Victim-Blaming (Opfer-Beschuldigung / Täter-Opfer-Umkehr). Im umgebenden Raum erscheinen Worte wie „I love you“. Normalerweise Ausdruck von Fürsorge und Schutz, stehen sie hier für Manipulation und Schuldzuweisung. Liebe wird zum Instrument der Kontrolle. Der Satz „Be quiet“ lässt sich mehrfach deuten: Erzähle es niemandem, sprich nur, wenn du gefragt wirst, du hast kein Recht auf eine Stimme in diesem Haus. Die großen, dominierenden Buchstaben wirken erdrückend und schließen den Raum visuell ein, was das Gefühl von Isolation verstärkt. Obwohl der Platz der Frau am Tisch leicht beleuchtet ist, wird die Welt darum herum zunehmend dunkler. Kühle Blau- und Dunkeltöne bestimmen den Hintergrund und erzeugen eine schwere, bedrückende Atmosphäre. So entsteht das Bild eines Zuhauses, das Sicherheit versprechen sollte, sich jedoch in einen Raum verwandelt, in dem Sprache, Farbe und alltägliche Gegenstände zu Werkzeugen von Schweigen, Manipulation und Gewalt werden.
Jaroslaw "Jezy" Jedliński: jedlinsky.jaroslaw@gmail.com
Instagram: popsickl.art
Jeży
Maler, Künstler, Unterstützer ...
Er und seine ebenso talentierte Frau Sara haben uns die Bilder für den Benefiztisch gemalt.
Die Idee für den Tisch hatte unsere wundervolle Atelierbotschafterin Sibylle. Die Themenwünsche für die Tischbilder kamen von mir. Danach hatten Sara und Jeży freie Hand.
Zuvor hatte Jeży uns Pfiffigenie im Weltall gemalt und mich damit überrascht, genauso wie er mich mit der Gitarre (s.u.) überrascht hat.